Als Vater im Kindergarten – ich bin dabei!


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Darum geht’s

Väter in Kitas sind gefragt, fast schon normal – und dennoch seltener präsent. Deshalb wird gern mal an ihre Erziehungsverantwortung appelliert, schließlich steht die Kita allen Eltern offen. Andererseits machen Väter manchmal die Erfahrung, dass sie nicht ganz gleich behandelt werden wie die Mütter. Sie bekommen andere Anfragen („Helft ihr mit beim Zeltaufbauen, Würste braten, Spielgeräte reparieren?“), andere Angebote (z.B. spezielle Vater-Kind-Aktivitäten) und manchmal etwas weniger Zutrauen, dass sie’s mit den Kleinen schon geregelt kriegen…

Dahinter steckt die Situation, dass sich viele Männer mehr in Aufgabenbeziehungen statt in Beziehungsaufgaben wiederfinden, und auch das soziale Netz von Männern läuft tendenziell mehr über Arbeit oder Verein statt über Kita und Schule. Damit stehen oft andere Themen im Vordergrund als Erziehung, Bildung und Kinderpflege. Sich als Vater stärker im Kitabereich zu engagieren, kann deshalb eine Herausforderung, eine neue Erfahrung, ein Gewinn sein.

Für nicht viele Väter ist es aber genau das, was sie wollen: sich gleichberechtigt und zu gleichen Teilen bei der Kindererziehung einbringen, in Fragen von Kita und Schule dabei sein usw. Das schafft Begegnung und Austausch mit anderen Vätern über das Vatersein – und über alles andere. Das gibt Gelegenheit zu tollen Aktivitäten mit Kindern (nicht nur den eigenen) und realisiert den Wunsch vieler Männer, dass der Job nicht alles ist.

 

Gut zu wissen

Inzwischen hat sich einiges geändert, Männer – als Väter und als Erzieher – sind zunehmend in der Kita präsent. Dafür gibt es mehrere Gründe. Viele sehen Erziehung und Familienarbeit heute nicht mehr als alleinige Domäne von Frauen an, und die meisten Väter wollen sich hier aktiv einbringen. Auch die inzwischen auf fast 75 % gestiegene Frauenerwerbsquote trägt mit dazu bei, dass sich Elternpaare mehr als früher bei der Organisation des Familienalltags abwechseln (müssen). Etwa ein Drittel der Väter bezieht Elterngeld, im Durchschnitt für drei Monate. Zusammen mit dem Ausbau von Krippen- und Ganztagskitaplätzen führt das insgesamt dazu, dass Väter häufiger den Kontakt zur Kita mitgestalten. Nicht zu vergessen die alleinerziehenden Väter – 2016 waren immerhin 180 000 Väter in Deutschland alleinerziehend, das sind 10 % der Alleinerziehenden.

Väter in Kitas sind damit heute eine ganz normale, alltägliche Sache, und erfreulicherweise sehen das inzwischen auch die meisten pädagogischen Fachkräfte so. Trotzdem kann man noch nicht davon sprechen, dass Väter und Mütter hier – quantitativ wie qualitativ – wirklich gleichermaßen beteiligt sind. So kommt die Studie Väter 2015 zu folgendem Ergebnis:

 

Zeit für Engagement in Kita / Schule
Häufigkeit Väter in % Mütter in %
·     täglich 0,3 0,9
·     mehrmals pro Woche 1,4 3,8
·     ein- bis zweimal pro Woche 4,5 8,4
·     ein- bis zweimal pro Monat 23,6 43,1
·     seltener 49,7 33,1
·     nie 20,4 10,8
Zufriedenheit Väter in % Mütter in %
·     zu wenig 37,7 13,2
·     genau richtig 60,6 82,6
·     zu viel 1,7 4,2
Quelle: DJI-Väterreport 2015

 

Vor diesem Hintergrund und weil auch fachlich die große Bedeutung von Vätern für eine gute Entwicklung von Kindern gesehen wird, bemühen sich viele Kitas, ihre Zusammenarbeit mit Vätern zu verbessern und den Kontakt zu intensivieren. Sie legen z.B. Wert darauf, dass sich schon vor Beginn der Betreuung alle Beteiligten kennenlernen können, und laden ausdrücklich das Elternpaar zu entsprechenden Gesprächen ein. (Das sollte natürlich auch gelten, wenn Eltern nicht in einem gemeinsamen Haushalt leben.) Umgekehrt nehmen Väter diesen wichtigen Lebensbereich ihrer Kinder (und letztlich der ganzen Familie) mehr und mehr in den Blick, sie informieren, beteiligen, kümmern und engagieren sich.

Die Zusammenarbeit der Kita mit den Eltern wird heute als eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft verstanden. Das bedeutet, dass das Verhältnis zwischen pädagogischen Fachkräften und Eltern geprägt sein soll von der Idee einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit, von Dialogbereitschaft und der gegenseitigen Anerkennung von Kompetenzen. Dazu gehört natürlich auch der Dialog mit den Vätern – und die Anerkennung der Kompetenzen von Vätern. Kitas haben heute in der Regel eine schriftliche Konzeption, in der Väter nachlesen können, wie das Team sich die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern und die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern vorstellt und plant. Aktuelle Informationen gibt es außerdem auf der Kita-Homepage, über Aushänge oder Elternbriefe, die es sicher zu lesen lohnt. Lern- und Entwicklungsfortschritte der Kinder werden in sogenannten Portfolios bzw. Bildungs- und Lerngeschichten dokumentiert, die auch für die Eltern einsehbar sind.

Um den Anteil und die Beteiligung von Vätern zu verbessern, überlegen sich viele Kitas, wie Schritte zu einer väterfreundlichen Kita aussehen können, und bieten eigene Angebote für Väter an. Das können Vater-Kind-Aktivitäten an einem Spätnachmittag oder Samstagvormittag sein. Dabei zeigen die Kinder ihren Vätern die Kita oder gehen mit ihnen nach draußen, es wird gemeinsam gespielt, gewerkelt, gesungen und gegessen. Und nebenbei kommen die „Papas“ miteinander ins Gespräch und tauschen sich aus, wie’s so läuft. Manche Kitas organisieren auch mal ein Vater-Kind-Projekt oder eine Vätergruppe auf Zeit, sie organisieren – oft zusammen mit einer Familienbildungsstätte – ein Vater-Kind-Wochenende mit Übernachtung. Nicht wenige Kitas verstehen sich heute auch als ein Angebot für die ganze Familie und entwickeln sich weiter zum Familienzentrum – und zur Familie gehören Männer als Väter, Großväter oder „soziale Väter“ einfach mit dazu.

Bei so viel Aufmerksamkeit für die Väter kann es auch mal Konflikte geben, wie das nachfolgende Praxisbeispiel zeigt. Deshalb sollten Väter aufpassen, dass sie sich nicht nur die Rosinen rauspicken und als Wochenend-Papa die Highlights mit den Kindern mitnehmen, während die Alltagsmutter für alles andere zuständig ist. Väterliches Engagement ist gerade auch im Alltag wichtig für die Kinder!

Zum Mitdenken und Mitmachen

Machen Sie doch mal ein Gedankenexperiment: Können Sie sich eine Kita vorstellen, in der nur Männer als Erzieher arbeiten und vornehmlich die Väter den Kontakt halten, um die Erziehungspartnerschaft aktiv zu gestalten? Die Mütter würden dann natürlich ab und zu besonderen Mutter-Kind-Aktivitäten eingeladen…

Anregungen zur Selbstreflexion:
Wie geht es mir…

  • auf dem Weg zur Kita?
  • wenn ich die Kita betrete?
  • mit den anderen Kindern?
  • im Gespräch mit den Erzieherinnen?
  • im Gespräch mit einem Erzieher?
  • mit den Müttern?
  • mit anderen Vätern?

Habe ich das Gefühl, …

  • dass man mir mit Kindern etwas zutraut?
  • dass ich in Erziehungsfragen mitreden kann?
  • dass man mir Erziehungskompetenz zugesteht?
  • dass man mich machen lässt?

Fühle ich mich in der Kita…

  • gut aufgehoben und versorgt?
  • rundum anerkannt?

Fehlt etwas zu meiner Zufriedenheit?

Kindergartentipps für Väter

  • Lassen Sie sich nicht ausschließlich in die Rolle des Hol- und Bringservices drängen.
  • Sprechen Sie mit der Pädagogin während Sie auf Ihr Kind warten. Fragen Sie aktiv nach, was Ihr Kind heute im Kindergarten alles erlebt hat. Welche Fortschritte hat es gegeben, wo gibt es Defizite?
  • Warten Sie nicht, bis man Sie anspricht. Machen Sie den ersten Schritt.
  • Bauen Sie Kontakte innerhalb der Kindergartengruppe auf. Gehen Sie auf Eltern, die Sie noch nicht kennen, zu und stellen Sie sich als Vater vor. Ein soziales Netz innerhalb der Gruppe ist Gold wert! Frauen bauen ein solches Netz viel einfacher und schneller auf als Männer!
  • Nutzen Sie die Angebote der Kita. Sehen Sie Elternabende nicht als Pflicht, sondern als Chance, die Erziehung und die Bildung Ihres Kindes zu verbessern.

Quelle: väterzeit.de

 

Und sonst noch

Interessante Angebote für Väter mit Kindern sind zu finden auf der Internetsesite  https://vaeterangebote.de/  mit Suchfuntion nach Postleitzahl.

Außerdem

Autor: Gunter Neubauer