Foto: Helene Souza / pixelio.de

Montessori


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Können Sie kurz erläutern, worum es beim Montessori-Konzept geht und was das Besondere daran ist?

Maria Montessori hat in ihrer lebenslangen Forschung festgestellt, dass alle Kinder auf der ganzen Welt, egal aus welchen Kulturen, die gleichen Entwicklungsbedürfnisse haben.
Diese Entwicklung verläuft in drei Phasen, sogenannten Entwicklungsstufen: von 0-6 Jahre, von 6-12 Jahre und von 12-18 Jahre.

Die Lernprozesse, um die es da geht, stehen im Mittelpunkt des eigenen Handelns der Kinder. Nur durch die eigene Erfahrung kann das Kind sein Wissen über die Welt ausbauen. Das gelingt immer dann am Besten, wenn die Erfahrung im Einklang mit den jeweiligen Entwicklungsbedürfnissen des Kindes ist. Aus diesen Entwicklungsbedürfnissen entstehen auch Interessen. Durch die aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt, und zwar über alle Sinne, kann das Kind die Welt erkennen und erfahren lernen. Diese konkreten Erfahrungen sind die Grundlage für alles weitere Lernen. Die Pädagogen haben hier eine unterstützende Rolle.

– Sie stehen nicht im Mittelpunkt des Ganzen, sondern an der Seite und begleiten.
– Sie beobachten die Kinder sehr viel und versuchen auf diese Weise, die Bedürfnisse der Kinder herauszufinden.
– Sie sorgen dann für eine vorbereitete Umgebung, angepasst an die Bedürfnisse der Kinder, und zwar individuell für jedes Kind.
– Sie machen dann für jedes Kind individuell entsprechende Lernangebote. Das hat den Vorteil, dass man sehr individuell auf jedes Kind eingehen kann und es abholt, wo es gerade steht.

So wird man seinen Interessen und Entwicklungsbedürfnissen gerecht. Somit sind die Pädagogen eigentlich die Lernbegleiter. Die Grundlage ist, dass sie dem Wunsch des Kindes entsprechen, denn das Kind möchte die Dinge selbst machen und Unterstützung haben. Daher auch der Spruch, der sehr bekannt ist bei Montessori: Hilf mir, es selbst zu tun!

Das ist die Aufgabe des Pädagogen, des Lernbegleiters. Somit ist die Förderung von Selbständigkeit und Verantwortungsgefühl der zentrale Aspekt der Montessori-Pädagogik.

Maria Montessori hat aufgrund ihrer Beobachtungen auch Entwicklungsmaterial entwickelt, mit dem die Kinder arbeiten. Diese nennt sie Entwicklungsmaterialien, weil die Kinder sich damit weiter entwickeln können. Diese Materialien sind hochwertig und jeweils nur einmal vorhanden. Das führt dazu, dass andere Kinder lernen, auch zu warten und sich zurück zu nehmen. Die Materialien sind so aufgebaut, dass die Kinder eine Fehlerkontrolle enthalten, d.h. das Kind merkt selbst, ob es eine Arbeit richtig oder falsch gemacht hat und braucht hierfür keinen Pädagogen.
Generell wird in Montessori-Einrichtungen sehr großer Wert gelegt auf die soziale und emotionale Entwicklung des Kindes, nicht nur auf die kognitive und intellektuelle oder motorische – alle Bereiche sind wichtig.


Was ist der große Vorteil des Montessori-Konzeptes?

Das Allerwichtigste beim Montessori-Konzept ist die Unterstützung der Entwicklung zur Selbständigkeit und des Verantwortungsbewusstseins. Dieses freie, interessens-geweitete Lernen bewirkt, dass die Neugierde am Lernen erhalten bleibt und somit auch die Freude.


Welche Voraussetzungen muss die Familie oder das Kind für eine Montessori-Einrichtung mitbringen?

Im Prinzip sind Familien optimal für solche Einrichtungen, die ihr Kind dabei unterstützen wollen, sein gesamtes Potenzial zu entfalten – nicht nur die kognitiven Fähigkeiten, sondern die ganze Persönlichkeit des Kindes. Das ist nach unserer Auffassung die beste Vorbereitung auf die Zukunft. Außerdem wichtig ist, dass die Familien Interesse daran haben, sich mit diesem pädagogischen Ansatz auseinander zu setzen, um ihr Kind zuhause optimal begleiten zu können. Diese Bereitschaft ist wichtig.


Foto: Helene Souza  / pixelio.de

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