Ursachen im strukturellen Bereich


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Im Dreieck der Gesundheit ist mit Absicht die Struktur als Basis eingezeichnet. Unser Gehirn steuert unbewusst permanent ca. 700 Muskeln und 300 Knochen – und das, während wir bewusst gleichzeitig an ganz andere Dinge denken können. Störungen im Bewegungsapparat verbrauchen deshalb mehr Energie als normalerweise, damit ich trotzdem all die Bewegungen ausführen kann, die ich gerade mache – vom Gehen bis hin zu Stift halten. Das kann die Konzentrationsfähigkeit mehr oder weniger stark beeinträchtigen.

Ein schönes Beispiel dafür ist das KISS-Syndrom. Die Bezeichnung KISS für Kopfgelenk-induzierte-Symmetrie-Störung geht auf den Alternativmediziner Dr. Heiner Biedermann zurück. Damit ist gemeint, dass der Kopf nicht freibeweglich auf dem obersten Halswirbel, dem Atlas als Träger des Kopfes, ruht und damit eine Fehlsymmetrie im Körper ausgelöst wird. Als KIDD wird eine kopfgelenk-induzierte Dyspraxie (Ungeschicklichkeit) oder Dysgnosie (Wahrnehmungsstörung) bezeichnet. Eine KISS kann schon im Mutterleib durch eine ungünstige Lage in der Gebärmutter entstehen. Oft wird es durch die Geburt ausgelöst – vor allem dann, wenn die Kinder während der Geburt stecken bleiben, eine Saugglocke oder Zange oder ein Kaiserschnitt benötigt wird. Diese Kinder fallen dann oft schon von Anfang an dadurch auf, dass sie viel schreien, beim Stillen eine Seite bevorzugen und schreien, wenn sie auf der anderen Seite angelegt werden sollen oder nur auf einer Seite schlafen wollen. Sie haben Probleme, sich aufzurichten, das Gleichgewicht zu halten und lernen dadurch später laufen, Fahrrad fahren oder balancieren. Auch die Koordination beider Hände kann eingeschränkt sein, sodass Ball fangen ungelenk aussieht. Insgesamt machen diese Kinder motorisch einen ungeschickten Eindruck, fallen schneller und haben Entwicklungsverzögerungen. Die Feinmotorik kann ebenfalls betroffen sein. Nach einer Behandlung der Kopfgelenke holen die betroffenen Kinder die Entwicklungsverzögerung oft in wenigen Monaten auf.

Nicht nur die Kopfgelenk-induzierte-Symmetrie-Störung kann die Entwicklung beeinträchtigen. Von  anderen Ebenen der Wirbelsäule kann es ebenfalls ausgehen.

Manche Eltern kommen mit ihren Kindern immer mal wieder zur Sprechstunde, weil ich mir die Wirbelsäule der Kinder anschauen soll. Ausgelöst durch einen Sturz oder Unfall oder einen Zusammenstoß auf dem Fußballplatz, wie es immer mal wieder passieren kann, quengeln und trödeln die Kinder bei den Hausaufgaben.  Die Eltern  haben beobachtet, dass die Hausaufgaben nach der Wirbelsäulenbehandlung „wie auf Knopfdruck“ schlagartig schneller gehen und die Kinder besser konzentriert sind. Wenn eine gestörte Funktion der Haltemuskulatur der Wirbelsäule, die die seitlich austretenden Nerven beeinträchtigt, die einzige Ursache für die Konzentrationsstörung ist, dann funktioniert diese Behandlung „als würde ein Schalter umgelegt“. So beschrieb es einmal eine Mutter in meiner Praxis. Zu weiteren Ursachen einer Konzentrationsstörung lesen Sie im zweiten Teil des Artikels mehr.  

Durch die Fehlfunktion an der Wirbelsäule wird möglicherweise die Integration der frühkindlichen Reflexe gestört, die nur in einer bestimmten Phase unserer Entwicklung auslösbar sein sollten. Wenn sie weiterhin persistieren, dann stören sie die normale Entwicklung im körperlichen aber auch psychischen Bereich. So kann eine Symptomatik ähnlich der Aufmerksamkeitsstörung ADS bzw. ADHS möglicherweise auf die Persistenz eines Moro-Reflexes zurückgeführt werden.

Einen Einblick,  wie gut es um den Bewegungsapparat eines Kindes bestellt ist, kann man schon dadurch bekommen, dass man das Kind bittet, sich weitgehend unbekleidet  mit geschlossenen Füßen einfach mal möglichst gerade hinzustellen. Dabei darf das Kind sich nicht im Spiegel sehen können. Schauen Sie mal ganz genau hin: Sind die Ohren, die Schultern, die Beckenkämme und die Knie auf einer Höhe? Wenn Sie sich eine Linie mittig durch den Körper denken, dann müssen die Nasenspitze, der Bauchnabel und die Mitte zwischen den Fußspitzen auf dieser Linie sein. Nicht die Knochen entscheiden über unsere Haltung, sondern vor allem die Muskulatur, die über die Gelenke gespannt ist, und die Knochen durch Anspannen und eine damit einhergehende Verkürzung  in eine bestimmte Richtung ziehen. 

Eine Behandlung der entsprechenden Muskulatur und Gelenke verbessert die Haltung deutlich. Auch bei dieser Behandlung kann es sein, dass der Stoffwechsel oder die Psyche mitbehandelt werden muss. Sie kennen sicher den Ausspruch: Der hat sein Kreuz zu tragen.

Eine  Methode, die zur Erforschung der Ursachen sehr gut geeignet ist, ist die Applied Kinesiology (AK). Hauptinstrument der Applied Kinesiology ist die Testung einzelner Muskeln auf die Gegenkraft, die vom Untersucher erzeugt wird. Der amerikanische Arzt und Chiropraktiker Dr. George Goodheart jr. (1918–2008) erkannte, dass sich die Kraft von getesteten Muskeln ändern kann, wenn der Körper stresshaften Reizen durch Störungen an der Wirbelsäule, der Ernährung oder auch im Bereich der Psyche ausgesetzt wurde. Er fand heraus, dass er Schwächen der Muskeln auch durch chiropraktische und osteopathische Techniken beeinflussen konnte. Eine Stärkung schwacher Muskeln konnte aber auch über Akupunktur und Gabe von Vitaminen und Spurenelementen erreicht werden.

Nur wenn alle Muskeln in der richtigen Weise arbeiten können, werden wir eine gute Haltung haben, nicht so schnell ermüden und leistungsfähig sein. Diese gute Muskelfunktion sollte nicht nur im Liegen, sondern auch im Sitzen, Stehen, Gehen und Springen möglich sein. In der AK wird der Körper bewusst einem strukturellen, chemischen oder emotionalen Stress ausgesetzt, um dabei die Muskelfunktion zu überprüfen. Ein Muskel, der vorher in der richtigen Weise reagiert hat, wird es weiterhin können, wenn der Mensch gesund ist. Ändert sich durch den Reiz die Muskelantwort, dann weiß der/die TherapeutIn, dass hier eine Störung vorliegt und wie er sie behandeln muss.

George Goodheart hat sein Wissen selbstlos an andere weitergegeben und sich nicht um Urheberrechte und Ähnliches gekümmert. Einige seiner Schüler, aber auch andere, die sich berufen fühlten, haben später einige neue Zweige entwickelt, die auch von nicht medizinisch Vorgebildeten angewendet werden, z. B. die angewandte Kinesiologie, Edu-Kinesthetik, Applied Physiology u. a. Die vermittelten Inhalte sind zum Teil ähnlich, teilweise aber auch sowohl vom Testaufbau als auch von den dahinter stehenden Grundannahmen sehr unterschiedlich.

Mit der AK kann der Therapeut auch relativ schnell feststellen, ob das Keilbein, ein Knochen an der Schädelbasis, im osteopatischen (Behandlung der Strukturen des Körpers) Sinne in der Bewegung eingeschränkt ist. Dieses kann sich auf die Augenmotorik auswirken, also die Blicksteuerung in die verschiedenen Richtungen. Das kann das Lesen erheblich erschweren, denn um über die Zeile zu gelangen, benötige ich dann deutlich mehr Blicksprüngen (Sakkaden) als normalerweise.

Eye Movements of Three Readersof Differing Ability

EyeMovements

Die Abbildung 2 veranschaulicht dieses Problem. LeserIn A braucht für die einzelne Zeile über 7 Sekunden, während LeserIn C nach einer Sekunde das Ende der Zeile erreicht. Eine Studentin klagte mal darüber, dass sie früher seitenlange Texte problemlos lesen konnte, seit einiger Zeit beim Lesen aber sehr schnell ermüde. Nach dem Behandlung des Keilbeines erreichte sie sofort wieder die alte Lesefähigkeit.

Die Augenmotorik steuert die Feinmotorik und die Zungenmotorik. Ein Kind, welches Probleme mit der Feinmotorik hat, sollte daher unbedingt auf eine Störung der Augenmotorik untersucht werden. Wenn die Augen die Hand bei der Stiftführung nicht gut steuern können, nützt es nicht so viel, Schwungübungen und feinmotorische Übungen zu machen. Zunächst muss die Ursache behoben werden, damit die Übungen anschließend umso erfolgreicher werden und dem Kind leichter fallen.

Wenn die Störungen im Bewegungsapparat die einzige Ursache sind, ist die Behandlung dieser Strukturen sicher ausreichend. In einem zweiten Teil des Artikels werden noch Ursachen im Bereich Stoffwechsel und Psyche vorgestellt. 

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