Fördern muss nicht teuer sein


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Darum geht’s

Kaum etwas ist für Eltern, Familie und Freunde in den ersten Lebensjahren des Kindes so spannend wie die sprachliche und motorische Entwicklung des Kindes. Hier können wir die Fortschritte deutlich sehen und die sich entwickelnden Fähigkeiten des Kindes freudig begleiten.

Häufig tauchen aber auch Fragen oder Unsicherheiten auf: Entwickelt sich mein Baby auch altersgemäß? Sind nicht andere Kinder im gleichen Alter schon viel weiter? Wie kann ich mein Kind in seiner Entwicklung fördern?

Im folgenden Beitrag möchten wir Ihnen Anregungen geben, wie sie die natürliche Entwicklung Ihres Kindes unterstützen und sich gemeinsam an seinen Entwicklungsschritten erfreuen können.


Gut zu wissen

Die Entwicklung von Sprache und Motorik beginnt schon, bevor das Kind das erste Wort gesprochen oder die ersten unsicheren Laufversuche macht, ja eigentlich bevor es überhaupt auf die Welt gekommen ist.

Schon im Mutterleib werden die ersten wichtigen Schritte in Richtung Sprache und Bewegung gegangen. Doch auf diese Entwicklung haben wir als Eltern nur wenig Einfluss.

Sobald das Kind aber auf der Welt ist, beginnt es mit uns zu kommunizieren. Zunächst nur mit Blicken und Gesten oder einem herzzerreißenden Schreien, aber schnell entwickeln sich richtige kleine „Gespräche“ zwischen dem Neugeborenen und seinen Eltern. Schon hier fördern wir die Fähigkeit unserer Kinder, Sprache zu verstehen und irgendwann die ersten eigenen Wort zu sprechen.

Auch mit der Entwicklung der Motorik ist es ganz ähnlich. Zunächst sind es nur zufällige Bewegungen, die aber schnell zielgerichtet und immer ausgefeilter werden.

Es braucht meist keine teuren Förderprogramme oder Lernspielzeuge, um diese Entwicklung zu unterstützen. Wir sollten als Eltern lernen, unserem „Bauchgefühl“ zu vertrauen und unsere Kinder im Alltäglichen zu fördern.

Spielidee 1: Von Knöpfen und Klammern

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Sobald wir mit einem Kind sprechen, sprechen wir langsamer, deutlicher und mit übertriebener Betonung. Indem wir die Kleinen angucken und uns mit ihnen beschäftigen, ihre ersten Laute wiederholen und deuten, was sie uns sagen möchten, machen wir alles, was für eine gesunde Sprachentwicklung nötig ist.

Manchmal ist es aber gar nicht einfach in einem recht hektischen Alltag mit Kindern noch Zeit dafür zu finden, sich ganz auf sein Kind einzulassen.

Hier kann es hilfreich sein, gezielt Zeit für die intensive Beschäftigung mit dem Kind einzuplanen. So ist zum Beispiel das alltägliche Wickeln eine gute Möglichkeit, bei der man oft ein paar Minuten Zeit für einfache Fingerspiele oder Lieder hat. Manchmal entwickelt sich sogar schon ein kleines Zwiegespräch.

Spielidee 2: Fingertiere

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Auch auf dem Weg zum Kindergarten lassen sich oft Möglichkeiten finden, um zu balancieren oder verschiedene Fortbewegungsarten auszuprobieren – hüpfen, rennen, schleichen, rückwärts gehen.

Eine weiterer, sehr einfacher Weg der Sprachförderung ist es, sein tägliches Handeln mit Sprache zu begleiten. Wenn Sie also kochen oder die Waschmaschine einräumen, erzählen Sie ihrem Kind doch einfach was Sie gerade machen. Am Anfang ist es sicher etwas seltsam, aber mit ein bisschen Übung macht man es fast nebenbei.

Auch die Handlungen der Kinder lassen sich gut mit Sprache begleiten („Jetzt ziehen wir Deine Strümpfe an. Und jetzt machen wir Seifenblasen…“).

Spielidee 3: Seifenblasen – Selbst gemacht

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Größere Kinder helfen gerne beim Kochen. Sie schnibbeln leidenschaftlich gerne und mit ein bisschen Hilfe kann das gut gelingen. Eine bessere Übung für die Feinmotorik kann man kaum finden.

Spielidee 4: Knete – Selbst gemacht

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Werden die Kinder größer, wird vor allem das gemeinsame Anschauen von Bilderbüchern und das Vorlesen als Sprachförderung interessant. Anfangs eignen sich dafür einfache Bilderbücher mit Alltagsgegenständen. Ab etwa zwei Jahren können es schon Bücher mit mehreren Bildern oder auch mit Situationen sein.

Kinder fangen im Alter von etwa drei Jahren an, sich für größere Zusammenhänge zu interessieren, dann ist auch die Zeit, in der sie beginnen, sich für kleine Geschichten zu interessieren. Vielleicht wird Ihnen auffallen, dass Ihr Kind immer wieder die gleiche Geschichte hören möchte. Das wird ihm keineswegs langweilig, vielmehr lieben Kinder Wiederholungen. So haben sie die Sicherheit des Bekannten und können Neues ausprobieren.

Auch das Gucken von Bilderbüchern oder das Vorlesen kann man in den Alltag einbauen, indem man ihm zum Beispiel immer vor dem Schlafen gehen einen Platz gibt.

Wie Rituale im Familienalltag helfen

Auch das Singen ist ein tolles Mittel der Sprachförderung. Hierbei kommt es nicht darauf an, wie gut oder was man singt, sondern dass man überhaupt singt. Kinder lieben Musik und Gesang. Auch die alten Kinderlieder, die wir teilweise auswendig kennen, weil sie schon unsere Mütter gesungen haben, kommen bei den Kindern gut an. Und für das Singen braucht man nichts. Man kann es immer und überall, beim Auto fahren, beim Kochen, am Wickeltisch, beim Zähneputzen.

Rituale und Lieder im Jahresverlauf

Irgendwann sagen die Kinder dann das langersehnte erste Wort, danach entwickelt sich die Sprache fast explosionsartig. Fast täglich kommen neue Worte hinzu. Hier ist es wichtig, dass man die Kinder sprechen lässt, sie nicht korrigiert („Das heißt nicht Tis, sondern Tisch.“), nicht nachsprechen lässt („Sag nochmal Tisch“) und auch nicht kritisiert („Jetzt streng Dich doch mal an.“). Sonst besteht die Gefahr, dass die Kinder so damit beschäftigt sind, es Ihnen Recht zu machen, dass sie die Freude an der Sprache verlieren.

Spielidee 5: Reise nach Amerika

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Sprache lernen bedeutet auch, Wörter mit Inhalt zu füllen, also Dinge zu spüren. Hier wird deutlich, wie eng Sprache und Bewegung miteinander verbunden sind. Erst wenn Kinder erfahren haben, wie sich ein schwerer Stein anfühlt oder wie eine saure Zitrone schmeckt, können sie diese Wörter abspeichern und auch richtig verwenden. Es ist also wichtig, dass Kinder anfassen, ausprobieren und erleben dürfen.

 

Spielidee 6: Wald – Detektiv

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Zum Mitdenken und Mitmachen

Sprachförderung und die Förderung von Bewegung im Alltag braucht also nicht viel, außer sich auf das Kind einzulassen und etwas Zeit im Alltag.

Es braucht meist gar keine teuren Förderprogramme oder Lernspielzeuge, um die natürliche Entwicklung eines Kindes zu unterstützen – Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl!

Viele der nun vorgestellten Ideen setzen Sie sicher schon ganz automatisch um, andere können Sie vielleicht noch in Ihren Alltag mit dem Kind einbauen? Probieren Sie es doch einfach mal aus!

Ideen zur Unterstützung der sprachlichen Entwicklung:

  • Halten Sie Blickkontakt mit Ihrem Kind beim Sprechen.
  • Sprechen Sie langsam.
  • Begleiten Sie ihre Handlungen, indem Sie Dinge benennen und erklären, was Sie tun.
  • Erweitern Sie den Dialog mit Ihrem Kind, führen Sie neue Worte und Themen ein.
  • Seien Sie dem Kind zugewandt beim Sprechen.
  • Nutzen Sie die Wickelsituation zum Singen und Sprechen.
  • Nutzen Sie Bücher, Reime, Lieder und Fingerspiele.
  • Sprechen Sie deutlich.
  • Nehmen Sie sich Zeit für Gespräche mit Ihrem Kind.
  • Stellen Sie „offene“ Fragen, die das Kind nicht nur mit „ja“ oder „nein“ beantworten kann.
  • Nutzen Sie Spiele und die Interaktion mit dem Kind, um ins Gespräch zu kommen („Kuckuck – da“, einen Ball zuwerfen usw.).
  • Sprechen Sie von Anfang an mit Ihrem Kind, auch wenn es noch nicht sprechen kann.
  • Geben Sie Ihrem Kind Zeit beim Sprechen! Warten Sie ab, bis das Kind einen Satz beendet hat und drängen Sie es nicht.

Ideen zur Unterstützung der motorischen Entwicklung:

  • Legen Sie Ihren Säugling möglichst oft auf den Boden, damit er seine motorischen Fähigkeiten besser entwickeln kann.
  • Legen Sie Ihr Baby, wenn es wach ist, auch auf den Bauch, damit es seine Halsmuskeln trainieren kann und lernt, den Kopf zu heben.
  • Erledigen Sie möglichst viele Wege zu Fuß mit Ihrem Kind.
  • Variieren Sie bekannte Wege immer mal – so bleibt es spannend.
  • Lassen Sie Ihr Kind möglichst viele Dinge alleine erledigen – z.B. anziehen. Planen Sie hierfür mehr Zeit ein.
  • Geben Sie Ihrem Kind den Freiraum zum Ausprobieren (Klettern, Balancieren, Rennen) – achten Sie jedoch auf die Sicherheit.
  • Lassen Sie Ihr Kind im Haushalt helfen – Wäsche zusammenlegen, Spülmaschine ausräumen, Kochen …
  • Geben Sie dem Bewegungsdrang Ihres Kindes nach – Er ist wichtig für die motorische Entwicklung.
  • Seien Sie Vorbild und vermitteln Sie Ihrem Kind so den Spaß an Bewegung.
  • Gehen Sie mit Ihrem Kind nach draußen – Wald und Feld sind die besten Abenteuerspielplätze.
  • Suchen Sie den Kontakt zu anderen Kindern – Kinder lernen am Besten von Kindern.

Und sonst noch

Andere Bausteine

Das Beste für mein Kind
Fördern im Alltag
Entwicklungsberiche des Kindes
Signale der Überforderung

Literatur

Biermann, Ingrid: Fischers Fritz und Schneiders scharfe Schere. Herder Verlag.
Butschkow, Ralf: Hier stimmt ja fast gar nichts. Bastei Lübbe.
Diehl, Ute: Duden – Mein Sprachspielbuch. Duden Verlag.
Friedl, Johanna: Alles hat Hand und Fuß: Spiele zur Förderung der Motorik. Ökotopia Verlag.
Morkowska, Ewa: Warum gähnt das Nilpferd? Veritas Verlag.
Monschein, Maria: Die besten 50 Spiele zur Sprachförderung. Don Bosco Verlag.
Pighin, Gerda: Die besten Förderspiele von 0 bis 6 Jahren. Urania Verlag.
Schwarz, Regina: Klitzekleine Mitmachreime. Ravensburger Verlag.

Spiele

Pustekuchen, Haba
Schloss Silbenstein, Ravensburger
Rory ́s Story Cubes, Hutter Trade
Ratz fatz, Haba
Die freche Sprech-Hexe, Ravensburger
Tier auf Tier, Haba
Blinde Kuh, Ravensburger

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