Wie kann ich eine gute Beziehung zu meinem Baby fördern?


Print Friendly, PDF & Email

Darum geht’s

Eine sichere Bindung zur Bezugsperson ist die Voraussetzung für eine gesunde körperliche und psychische Entwicklung Ihres Babys. Hier erfahren Sie mehr darüber, was man unter „sichere Bindung“ versteht und wie Sie diese fördern können. Außerdem erfahren Sie, wie Sie die Signale Ihres Babys noch besser verstehen und darauf angemessen und feinfühlig reagieren können.


Gut zu wissen

Jedes Kind entwickelt im Laufe der ersten beiden Lebensjahre eine intensive emotionale Bindung an die Hauptbezugspersonen. Das sind die Personen, die am meisten mit dem Kind zusammen sind, in der Regel sind das die Eltern. Voraussetzung dafür sind angeborene Verhaltensweisen des Säuglings, die bei Erwachsenen bestimmte Reaktionen auslösen, auf die sie dann reagieren. Diese Babysignale, auch Feinzeichen genannt, wie z.B. Lächeln, Brabbeln, Blickkontaktsuche oder Weinen, Schreien, Hinterherkrabbeln u.ä. veranlassen die Erwachsenen, mit dem Kind in Interaktion zu treten oder es zu trösten, d.h. die Bedürfnisse des Babys zu befriedigen. Auch dies geschieht in der Regel intuitiv und ist eine angeborene Verhaltensweise.

Durch Erkennen der Feinzeichen, richtiger Interpretation und eine angemessene, prompte Reaktion darauf, befriedigen Eltern das Bedürfnis ihres Kindes nach emotionaler Sicherheit, Geborgenheit, Aufmerksamkeit und Zuwendung. Daraus entwickelt sich die überlebensnotwendige persönliche und einzigartige Bindungsbeziehung zwischen Eltern und Kind.

Es gibt Signale des Babys (Feinzeichen) der Zuwendung, der Selbstberuhigung und der Abwendung. Hier zeigt uns das Kind ganz deutlich, ob es offen und interessiert an Interaktion und für Anregungen ist, ob es sich selbst beruhigt und bei Irritationen wieder in die Balance bringt oder ob es überfordert und überreizt ist und Ruhe braucht.


Wissensquiz

Im folgenden Wissensquiz können Sie Ihre Fähigkeiten, diese Feinzeichen richtig einzuordnen, überprüfen.

//www.youtube.com/v/2aBmScBe6Fw?hl=de_DE&version=3


Bedürfnisse von Kindern

Ein weiteres Grundbedürfnis des Kindes ist das Bedürfnis nach Erkundung (Exploration). Darunter versteht man das Bedürfnis des Kindes, Neues kennenzulernen und sein Interesse an fremden Menschen, neuen Spielzeugen und Situationen. Dazu gehört auch das Bedürfnis der Erfahrung von Selbstwirksamkeit, d.h. Dinge selbst zu verursachen, z.B. ein Mobile anzustoßen, zwei Bauklötze aufeinander zu stapeln, ein Spielzeug hinterherzuziehen etc. Das Kind ist stolz und zufrieden, solche Dinge geschafft zu haben.

Das Bedürfnis nach Bindung und Erkundung sind gleichwertig und ausgeglichen, d.h. sie stehen normalerweise in einer Waage.

In Situationen, in denen das Kind verunsichert wird, zeigt sich das Bindungsverhalten ganz deutlich. Wenn Mutter oder Vater nicht da sind oder aber fremde Personen und Situationen auf das Kind treffen, reagiert es mit Bindungsverhalten wie Weinen, Hinterherkrabbeln oder Anklammern. Erkundung (Exploration) ist nun nicht mehr möglich, d.h. das Kind kann nicht mehr spielen und ist nicht mehr aufnahmefähig für neue Anregungen. Die Waage kippt zugunsten des Bindungsverhaltens. Erst wenn die verunsichernde Situation geklärt ist, die Bindungsperson wieder da ist und das Kind beruhigt und tröstet, kann es wieder auf Erkundungstour gehen. Die Umgebung, andere Menschen und Spielsachen werden wieder interessant, die Waage kippt in Richtung Exploration.

Ein sicher gebundenes Kind benötigt die Nähe seiner Bezugspersonen als sicheren Hafen, zu dem es immer wieder zurückkehren kann um aufzutanken. Das ist die Basis, von der aus es die Welt entdecken kann.

Je älter das Kind wird, umso wichtiger werden andere Bezugspersonen, wie z.B. andere Familienmitglieder, Freunde, Betreuungspersonen. Wenn diese die oben genannten Forderungen erfüllen (also feinfühliges Reagieren auf die Signale des Kindes) und die Zeit des Zusammenseins ausreicht, wird das Kind auch zu ihnen eine Bindung entwickeln. Dies ist die Voraussetzung, dass das Kind auch bei Abwesenheit der Eltern (den Hauptbezugspersonen) seine Bedürfnisse nach emotionaler Sicherheit und Erkundung befriedigen kann, was die soziale und emotionale Entwicklung des Kindes positiv unterstützt.

Wenn Sie Ihr Kind in eine Betreuungseinrichtung geben möchten, sollten Sie darauf achten, dass Sie eine Eingewöhnungszeit einrechnen. In dieser Zeit bleiben Sie als Hauptbezugsperson im Hintergrund, bis das Kind von sich aus Kontakt mit der Betreuungsperson aufnimmt, den Raum erkundet und Interesse an den Spielsachen sowie den Aktivitäten in der Gruppe zeigt.

Auch dann wird es noch einige Zeit immer wieder zu Ihnen zurückkehren, um aufzutanken. Es wird sich sternförmig zwischen Ihnen und den Spielsachen im Raum hin und her bewegen.

Erst wenn es aktiv die Betreuungsperson aufsucht, um sich trösten zu lassen, hat es auch zu ihr eine Bindung entwickelt. Dann können Sie wirklich beruhigt sein, dass Ihr Kind sich in der neuen Umgebung wohlfühlt.


Und sonst noch

Anderer Baustein

Zu Hause oder in einer Einrichtung? Wie soll mein Kind in den ersten Jahren betreut werden?

Literatur

Diederichs, Paula/Olbricht,Vera: Unser Baby schreit so viel. Was Eltern tun können, Kösel 2002
Fries, Mauri: Unser Baby schreit Tag und Nacht. Hilfe für erschöpfte Eltern, Reinhardt 2006
Karsten, Hartmut: 0 – 3 Jahre. Entwicklungspsychologische Grundlagen, Cornelsen 2007
Largo, Remo H: Babyjahre, Entwicklung und Erziehung in den ersten 4 Jahren, Piper 2010
Pantley, Elisabeth: Schlafen statt schreien. Das liebevolle Einschlafbuch, Trias 2009
Sears, William: Schlafen und Wachen, Ein Elternbuch für Kindernächte, La Leche League Schweiz e.V. 2005
Gaschler/Buchheim: Kinder brauchen Nähe. Sichere Bindungen aufbauen und erhalten, Gehirn &Geist, 2012
Stern, Daniel: Tagebuch eines Babys. Was ein Kind sieht, spürt, fühlt und denkt. München: Piper, 2004

Links

Auf den Anfang kommt es an – Ein Kurs für junge Eltern
Sichere Bindung
Geliebte Babys – gesunde Kinder: Wie Bindung Babys stark macht
Die Chance der ersten Monate
Focus Familie
Feinzeichen
Ein Leben beginnt
Familien-Wegweiser

weitere Videos

Dagmar Neubronner. Die 6 Phasen der Bindung
Bindungstheorie
Babys können nicht verwöhnt werden
Babysignale/Feinzeichen
Elternfilme rund ums Thema Baby

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.